Textilien sind Materialien, die aus natürlichen oder künstlich hergestellten Fasern, dünnen Fäden oder Filamenten oder einer Kombination davon hergestellt werden. Textilien werden durch die Verflechtung dieser Fäden in bestimmten Mustern hergestellt, wodurch eine Stoffbahn entsteht.
Naturfasern
Pflanzlicher Ursprung
Schon vor Jahrtausenden haben die Menschen begonnen, Pflanzenfasern zur Herstellung von Kleidung zu verwenden. In Georgien entdeckten Forscher vor einigen Jahren Faserreste aus wildem Flachs, die auf ein Alter von 34.000 Jahren datiert wurden. Offenbar hatten die Frühmenschen den Flachs zu Schnüren und Seilen verarbeitet, um damit Tierhäute zusammenzunähen oder ihre Habseligkeiten auf Reisen zu Bündeln zu schnüren.
Auch heute verwenden wir pflanzliche Naturfasern für die Kleidungsherstellung: Neben Hanf, Jute oder Sisal auch Leinen (das aus den Stängeln der Flachspflanze hergestellt wird) und die überaus beliebte Baumwolle.
Tierischer Ursprung
Ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der menschlichen Bekleidung begann in der Jungsteinzeit mit der Verarbeitung von Schafswolle. Schafhirten entdeckten wohl im vierten Jahrtausend vor Christus die Wolle als idealen Rohstoff zur Herstellung von Garnen und Geweben, die sich zu Kleidungsstücken weiterverarbeiten ließen.
Fasern tierischen Ursprungs sind neben der Schafswolle zum Beispiel Kaschmir (aus den Haaren der Kaschmirziege), Angora (aus den Haaren des Angorakaninchens) oder Seide (aus den Fäden der Seidenraupe).
Aus Wolle, etwa von Schafen oder Kaschmirziegen, stellen Menschen seit der Steinzeit Kleider her.
Chemiefasern
Mit der Herstellung von Chemie- oder Kunstfasern experimentierte erstmals ein Engländer im 17. Jahrhundert. Wirklich bedeutsam wurden Chemiefasern aber erst im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts. Mittlerweile liegt der Anteil von chemisch gewonnen Fasern laut Oerlikon bei rund 65% der Weltfaserproduktion.
Bei den Kunstfasern unterscheidet man zwischen zwei Arten: den zellulosischen und den synthetischen Fasern.
Zellulosische Chemiefasern
Der Grundstoff dieser Fasern ist pflanzlich. Wie ihr Name schon sagt, werden sie aus der Zellulose, also Holz, gewonnen. Zu ihnen zählen etwa Viskose, Modal oder Acetat.
Synthetische Chemiefasern
Zur Herstellung synthetischer Textilien werden die Grundstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas verwendet, die in chemischen Prozessen zu Fasern umgewandelt werden. Dazu gehören unter anderem Polyester, Polyamid, Elasthan oder Polyacryl.
Arten von Naturfasern
Baumwolle
Bilder von Baumwollpflanzen haben viele von uns schon mal gesehen: Aus den Kapseln der Baumwollpflanze quellen die stark behaarten Samen, die aussehen wie dicke weiße Wattebäusche. Der Anbau und die Verarbeitung von Baumwolle war lange berüchtigt für ihren hohen Wasserverbrauch: Auf die Produktion von einem Kilogramm Baumwollstoff kommen aber in Wirklichkeit nur ca. 1.200 Liter Wasser!
Kleidungsstücke, etwa T-Shirts, können zu 100% aus Baumwolle bestehen. Baumwollprodukte können aber auch mit anderen Faserarten wie Viskose, Leinen oder Elasthan gemischt sein. Kleidung aus reiner Baumwolle ist besonders für Allergiker zu empfehlen.
Eine Unterart der Baumwolle ist die sogenannte mercerisierte Baumwolle, auch „Perlenbaumwolle“ genannt. Eine spezielle chemische Behandlung sorgt dafür, dass das Gewebe gestärkt wird und mehr Glanz bekommt. Außerdem lässt sich der Baumwollstoff so leichterer färben und ist schimmelbeständiger.
Wolle
Dieser Bekleidungsstoff hat Jahrtausende auf dem Buckel, aber hat noch immer nicht ausgedient. Denn Wolle ist nicht nur unempfindlich gegen Schmutz und knittert kaum, sondern hält auch kuschelig warm. Woll-Lieferant Nummer eins ist das Schaf. Doch auch die feinen Haare von Angora-Kaninchen, Alpakas, Kaschmirziegen und anderen Tieren dürfen laut Textilkennzeichnungsgesetz als Wolle bezeichnet werden.
Ein besonderer Fall ist die Schurwolle: So darf nur Wolle bezeichnet werden, die von lebenden Tieren gewonnen (geschoren) wurde und lediglich einen minimalen Anteil an Fremdfasern enthält.
Seide
Der edelste unter den Stoffen. Der Maulbeerspinner, eine gezüchtete Seidenraupe, ist der Hersteller von echter Seide. Denn diese wird aus den Kokons der Raupe gewonnen – der Faden ist sage und schreibe rund 1000 Meter lang!
Seide ist wegen verschiedener Eigenschaften sehr beliebt: Zum einen ist sie im Sommer wie im Winter angenehm zu tragen, da sie bei Hitze kühlt und bei Kälte wärmt. Zum anderen ist sie sehr reißfest, gibt Hautfeuchtigkeit nach außen ab und besitzt eine schöne glänzende Oberfläche.
Ihr größter Nachteil: Nach wie vor ist Seide eines der teuersten Textilien! Außerdem ist dieses Textil ein echtes Sensibelchen und alles andere als pflegeleicht. In Verbindung mit Schweiß, Parfüm oder Deo kann der Stoff sogar brüchig werden oder vergilben.
Leinen
Schon in der Jungsteinzeit trugen die Menschen Kleidung aus Leinen. Gewonnen wird die Leinenfaser aus der Flachspflanze. Allerdings ist die Herstellung von Leinen aufwendig, der Stoff daher teuer.
Leinen zeichnet sich durch seine sehr glatte Oberfläche aus, durch die es einen matten Glanz erhält. Es verschmutzt und fusselt kaum, ist strapazierfähig und gibt Feuchtigkeit gut ab. Weil es stark knittert und ein eher steifer Stoff ist, enthalten Kleidungsstücke aus Leinen häufig Anteile aus Baumwolle oder Chemiefasern.
Arten von Chemiefasern
Viskose
Viskose ist die Natürliche unter allen Kunstfasern, denn ihr Grundmaterial ist Zellulose aus Holzarten wie Buche, Bambus oder Eukalyptus. Ein sehr aufwendiges chemisches Verfahren lässt aus der Zellulose Viskosefasern entstehen.
Besondere Eigenschaften der Viskose sind die Feinheit ihrer Fasern (10 bis 15 µm Durchmesser) und ihre gute Feuchtigkeitsaufnahme, die sie zu einem sehr hygienischen Stoff macht. Weil Viskose so seidig glänzt und zudem weich und fließend fällt, wird sie auch „Kunstseide“ genannt. Allerdings ist sie auch sehr knitteranfällig und nicht formbeständig.
Modal
Wie die Viskose ist auch Modal eine sogenannte Regeneratsfaser, das heißt, auch diese Kunstfaser wird aus Cellulose hergestellt. Modal zeichnet sich durch seine hohe Elastizität und Festigkeit sowie durch seine gute Saugfähigkeit aus. Außerdem ist der Stoff hautfreundlich und atmungsaktiv und kommt deswegen „hautnah“ zum Einsatz: etwa bei Unterwäsche, Bett- und Schlafwäsche.
Polyester
Die Chemiefaser Polyester, die aus Säuren und Alkohol gebildet wird, ist sehr vielseitig – sie kommt in Fleece- und Mikrofaser-Produkten ebenso zum Einsatz wie als Futterstoff oder Oberbekleidung. Seit 1947 wird sie industriell gefertigt und ist die meistproduzierte synthetische Faser.
Vorteile der Polyesterfasern sind beispielsweise, dass sie leicht und elastisch, aber dabei reißfest und strapazierfähig sind. Wird Polyester mit anderen Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle gemischt, behalten diese Mischungen auch bei Feuchtigkeit besser ihre Form und knittern kaum. Weil Polyester schnell trocknet und kaum Feuchtigkeit aufnimmt, ist er außerdem das ideale Material für Sportbekleidung.
Kunstleder
Kunstleder ist die preiswerte Alternative zu echtem Leder und findet auch bei Tierschützern Gefallen. Lederimitate gibt es in allen Variationen, vom Nappaleder- bis zum Velourslederimitat. Ihre Grundlage können entweder Naturfasern, wie Baumwolle, oder synthetische Fasern sein. Außerdem sind Lederimitate mit einer Kunststoffschicht aus weichem PVC oder Polyurethan überzogen.