Nachhaltige Trends in der Textilproduktion

Dass die Modeindustrie nachhaltiger werden muss, wird immer wieder mit den entsprechenden Zahlen gemahnt. Zum Beispiel: Zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verursacht die Modeindustrie, besagt der neueste Bericht der Global Fashion Agenda. Darin steht auch: Wenn wir so weitermachen, werden die Emissionen bis 2030 nicht sinken, sondern sogar noch um ein Drittel steigen. Dabei spielt die Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle bei der Kaufentscheidung von rund zwei Dritteln der Konsument:innen, auch das steht im Bericht.
Natürlich geht es nicht so weiter wie bisher – das ist der Grundtenor. Neben neuen Kollektionen und Drops häuften sich in den Postfächern der Redaktionen mittlerweile auch die Infos zu nachhaltigen Plänen, Zielen und Innovationen. Darin findet man die wichtigsten Trends der Zukunft.

1. Die neuen Naturfasern

Kein System ist nachhaltig, wenn es in hoher Quantität funktionieren soll. Auch nicht Biobaumwolle, für die viel Wasser beim Anbau benötigt wird. Die Möglichkeiten aus der Natur sind immerhin deutlich vielseitiger, wie zahlreiche Materialinnovationen zeigen. Von seidenähnlichen Stoffen aus Rosenblättern bei Bite Studios oder aus Orangenschalen bis hin zu Leder aus Ananasfasern und Jeans aus Hanf bei Levi’s. UGG hat gerade erst die Plant Power Collection lanciert, die zu 99,7 Prozent auf pflanzlicher Basis entstanden und dazu klimaneutral ist – unter anderem mit Sohlen aus Rohrzucker und flauschigem Plüsch aus Zellulosefasern vom Eukalyptusbaum (aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft).

2. Artenvielfalt

Ungefähr eine Million Arten sind laut einem Bericht der UN innerhalb der nächsten Jahrzehnte vom Aussterben bedroht. Was das mit Mode zu tun hat? Unter anderem vereinnahmt die Industrie Land, um Baumwolle anzubauen und Kühe zu züchten, die nicht nur für Fleisch, sondern auch für Leder geschlachtet werden. Sie holzt Wälder für die Produktion von Viskose ab und verpestet das Wasser durch Färbeprozesse und Mikroplastik von Kunstfasern (was winzig klingt, aber sich pro Jahr zu einer halbe Million Tonnen sammelt). Die „Biodiversität“ ist darum eines der drei großen Themen des 2019 initiierten Fashion Pact. Der Modekonzern Kering, zu dem unter anderem Gucci und Saint Laurent gehören, hat kürzlich eine eigene Strategie für mehr Artenvielfalt bis 2025 vorgestellt. Im Mai wird in China der „UN Biodiversity Summit“ der Vereinten Nationen stattfinden.

3. Upcycling

Das Thema Upcycling hat sich im vergangenen Jahr zu einem der Buzz-Wörter beim Thema Nachhaltigkeit entwickelt. Das macht es nicht weniger notwendig, dass übriggebliebene Stoffe und Kleidungsstücke wiederverwertet werden. Viele junge Labels wie Ahluwalia und Louise Lyngh Bjerregaard haben ihre Kollektionen schon nach diesem Prinzip gegründet; große Häuser wie Balenciaga, Maison Margiela und Loewe haben Upcycling vereinzelt in ihre Kollektionen integriert. Eine der spannendsten Designer:innen, die Stoffe für ihre Entwürfe wiederverwertet, ist aktuell Marine Serre – ihre exklusive Capsule Collection für Mytheresa enthält unter anderem ein Top und eine Hose aus upcycled Leder sowie ein Kleid aus alten Bettlaken. Luxuriöse Upcycling-Accessoires wiederum bieten James Castle und Clare Langhammer, die ausrangierte Seidenschals von Hermès und Co. in Scrunchies sowie – streng limitiert – in Scrunchie-Haarreifen verwandeln.

4. Resale

Um das Leben von Kleidern und Accessoires zu verlängern, muss man sie nicht zwangsläufig sofort recyceln – man kann sie auch erst mal weiterverkaufen. Das gilt vor allem für hochwertig produzierte und ohnehin langlebig gedachte Luxusmode. Laut der Boston Consulting Group soll der Resale-Markt bis 2025 um 15 bis 20 Prozent pro Jahr wachsen. Die Beliebtheit der Resale-Plattformen hat unter anderem dazu geführt, dass Gucci im Herbst eine Kooperation The RealReal verkündete und dessen Mutterkonzern Kering Anfang März fünf Prozent der Anteile von Vestiaire Collective für 178 Millionen Euro erworben hat.

5. Recycelbare Kleidung

Die Kreislaufwirtschaft, also die Wiederverwertung von Kleidung und Materialien, ist eine der wichtigsten Zukunftsvisionen. Laut der Ellen MacArthur Foundation wird weltweit aber immer noch weniger als ein Prozent der Kleidung zu neuer recycelt; die Global Fashion Agenda zeigt in ihrem Bericht von 2020 auf, dass Brands nur 64 Prozent ihrer Ziele zur Kreislaufwirtschaft erreicht haben. Mindestens 20 Prozent der Kleidung sollte allerdings recycelt werden, um das Klimaziel von 1,5 Grad bis 2030 überhaupt irgendwie erreichen zu können. Damit sich der Kreislauf schließt, braucht es nicht nur Mode aus recycelten Materialien – sondern auch Mode, die sich recyceln lässt. Von Levi’s, Closed und Tommy Hilfiger gibt es die ersten Jeans, mit denen das möglich ist. Die H&M Foundation entwickelt zusammen mit dem Hong Kong Research Institute of Textiles and Apparel das Projekt „Green Machine“, das Polyester- und Baumwollfasern in einem Kleidungsstück voneinander trennen soll. In großen Mengen wäre das ein entscheidender Durchbruch für eine zirkuläre Modeindustrie.
(Quelle: https://www.harpersbazaar.de/nachhaltigkeit/nachhaltige-mode-trends-2021-zukunft)

6. Print-on-Demand-Mode

(Quelle: https://www.fespa.com/de/neuigkeiten/blog/ist-print-on-demand-mode-ein-nachhaltigeres-modell)
Kornit Digital, Entwickler digitaler Textilproduktionstechnologie, hat kürzlich seinen „2020 Impact and Environmental, Social, and Governance“ („ESG“)-Bericht veröffentlicht. Es berichtet, dass das Modegeschäft um etwa 30 % überproduziert und für 20 % des weltweiten Abwassers pro Jahr verantwortlich ist. Dies macht die Mode- und Textilindustrie zu den umweltschädlichsten der Welt, was für die Umwelt nicht ermutigend ist.

Das Modeproduktionsmodell ist dem der Zeitungsindustrie in den 1980er und 1990er Jahren nicht unähnlich. Früher basierte das Zeitungsverlegen auf dem klassischen industriellen Modell, bei dem Skaleneffekte genutzt wurden, um die Stückkosten zu senken. Riesige Rollendruckmaschinen für Zeitungen produzieren riesige Warenmengen zu minimalen Stückkosten. Das änderte sich mit dem Aufkommen des World Wide Web im Jahr 1994, sodass Auflagen und Makulatur heute viel geringer sind. Bis der Online-Wettbewerb um Leser eine Änderung erzwang, wurde die Überproduktion durch das Fundament des Geschäftsmodells der Zeitungsverlage gerechtfertigt: Werbeeinnahmen. Ein äußerst lukratives Geschäft rechtfertigte übermäßiges Drucken und Abfall. Die heutige Mode- und Textilindustrie folgt einem ähnlichen skalenbasierten Modell, und der glückliche Zufall schnelllebiger und oft unvorhersehbarer Modetrends wird verwendet, um Überproduktion zu rechtfertigen. Das muss sich ändern.
Befürworter des Digitaldrucks für die Textilproduktion sind zuversichtlich, dass das On-Demand-Modell in Kombination mit fortschrittlicher Drucktechnologie der Textilproduktion das antun kann, was es der Zeitungsindustrie angetan hat. Es könnte es völlig umgestalten, sodass die Idee der On-Demand-Modeproduktion an Zugkraft gewinnt.
Auf der positiven Seite sollte Online auf der Grundlage der Bedarfsdeckung für Kleidung dazu führen, dass weniger unerwünschte Kleidungsstücke produziert werden. Integrieren Sie das Modell in einen Online-Marktplatz für Gebrauchtwaren, und die Dinge sehen sehr überzeugend aus, insbesondere für die Nachhaltigkeit des Planeten. Der digitale Textildruck reduziert den Wasserverbrauch um 95 % und den Energieverbrauch um 94 %. Laut Kornit können ihre Systeme die Treibhausgasemissionen (THG) um 82 % senken. Das Unternehmen erwartet, bis 2026 rund 2,5 Milliarden „Bekleidungsartikel“ zu produzieren, ohne Überproduktion. Der Kornit-Bericht schätzt, dass durch die direkte digitale Produktion 4,3 Billionen Liter Wasser pro Jahr eingespart werden. Wenn alles nach Plan läuft, werden zudem 17,2 Milliarden Kilogramm THG-Emissionen eingespart.
Die Wassereinsparungen ergeben sich aus der Umstellung auf Druckfarben weg vom Färben und den verschiedenen damit verbundenen Prozessen zur Herstellung von Stoffen. Die grafische Industrie ist bereits auf dem richtigen Weg, wenn es um die Umweltverträglichkeit von Materialien geht, die für die Druckproduktion verwendet werden. Fügen Sie der Mischung die Reduzierung der Versandemissionen hinzu, die mit dem Transport von Textilien und Kleidung rund um den Globus verbunden sind, und eine Umstellung auf digitale On-Demand-Mode sieht alles sehr positiv aus. Es gibt auch den Vorteil, die Bekleidungsproduktion für kleine Unternehmen, die daran interessiert sind, Dienstleistungen für ihre lokale Wirtschaft anzubieten, viel zugänglicher zu machen.
Es wird jedoch weder einfach noch schnell sein, Verbraucher davon abzuhalten, das traditionelle Modell der Modeerfüllung zu verwenden. Die Geschwindigkeit des Digitaldrucks muss viel höher sein, um Volumen zu liefern, insbesondere auf Stoffen wie Leinen und Seide in unterschiedlichen Gewichten. Es gibt auch das etablierte Geschäft, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Aber Interessen mit langjährigen analogen Traditionen auf den Kopf zu stellen, könnte einfacher sein als erwartet. Es wird auf ein Zusammentreffen verschiedener Möglichkeiten hinauslaufen: Geschäftsmodell, Design und Kreativität, Technologie und vor allem Verbraucherunterstützung.
Erfahren Sie, welche Maßnahmen UpNDownSports und Spreadshirt für eine nachhaltige Textilproduktion ergriffen haben!