Funktionsbekleidung für Herbst und Winter ist Teil eines gewaltigen Marktes. Allein im vergangenen Jahr gaben die Deutschen sieben Milliarden Euro in Sportgeschäften aus – Tendenz steigend.
Die Lösung für Sportler kommt aus Chemielaboren. Fasern aus Polyester oder Polypropylen, dem Stoff, aus dem Plastiktüten gemacht werden, sind nahezu perfekt für Sportunterwäsche. Die Hemden und Slips werden in Sportgeschäften als „Funktionsunterwäsche“ verkauft. Sie ziehen den Schweiß an, ohne ihn zu speichern, und lassen die kleinen Tropfen auf der Oberfläche verdunsten. Wird das Wetter schlecht, reicht es nicht, wenn Sportkleidung lediglich den Schweiß abtransportiert. Sie muss auch vor Wind und Regen schützen.
Im Jahr 1875 beobachtete der norwegische Kapitän Helly Hansen, wie seine Seeleute ihre Baumwollkleidung mit Ölfarbe bestrichen, um sich vor Wind und Wetter zu schützen – und hatte eine Idee. Der kluge Seefahrer erfand das erste Ölzeug, den Ostfriesennerz. Ein guter Anfang. Moderne Sportkleidung schafft sozusagen einen Spagat. Sie schützt den Körper vor Regen und Sturm. Sie leitet den von der Wäsche angezogenen Schweiß nach außen, ist leicht und flexibel.
Viele Jacken schaffen das mit Membranen – dünnen Folien, die zwischen die Stofflagen der Jacke geschweißt oder geklebt werden. Unter dem Mikroskop sehen diese Schichten aus wie ein zerrissener Hefeteig. Auf einem Quadratzentimeter hat eine Membran 1,4 Milliarden Poren. Unsere Körperwärme schiebt Wasserdampf – also den Schweiß – von innen nach außen. Die Poren der Membran sind groß genug, um Wasserdampfmoleküle auf ihrem Weg nach außen passieren zu lassen. Ein Wassertropfen hingegen ist 20.000-mal größer als eine Pore der Membran – und perlt deshalb an der Oberfläche ab.
Für die Eigenschaft von Membranen, den Wasserdampf von innen nach außen zu lassen, haben sich die Werbeagenturen eine schicke Vokabel ausgedacht: atmungsaktiv. „Ein reines Marketingschlagwort“, sagt Thomas Meyer zur Capellen. Tatsächlich steht Atmungsaktivität nur für Wasserdampfdurchlässigkeit.
Es gibt zwei Haupttypen von Membranen. Variante eins ist winddicht. Diese Stoffe sind dünner als ihre wasserdichten Pendants und lassen mehr Dampf durch. Im Normalfall halten sie den Körper trocken, doch bei einem Gewitterguss kommt irgendwann Feuchtigkeit durch die Nähte. Variante zwei sind wasserdichte Membranen. Sie fühlen sich steifer an, halten aber bei der Walkingtour auch einem einstündigen Dauerregen stand. Eine dritte Art von Funktionskleidung kommt ohne Membran aus: Jacken aus Mikrofaser. Zehn Kilometer Mikrofasergarn wiegen gerade einmal ein Gramm, es gibt Modelle, die nur 85 Gramm auf die Waage bringen. Zusammengeknüllt passen sie in die Brusttasche eines Oberhemdes. Und da die Jacke sehr dicht gewebt ist, perlt Wasser ab, und Wind gelangt nicht hindurch. Nur bei längere Zeit andauerndem Regen lässt auch die Mikrofaser Feuchtigkeit nach innen dringen.
All diese Jacken haben eines gemeinsam. Sie halten Wind und Wasser ab – aber sie halten nicht warm. Denn sie haben kein Futter. Deshalb brauchen Läufer, Radler und Walker noch eine Kleidungsschicht zwischen Unterwäsche und Jacke. Ein Sweatshirt? Solch ein Baumwollpulli hat die gleichen Eigenschaften wie Baumwollunterwäsche: Ist das Gewebe nass, klebt es am Körper und hält nicht mehr warm. Besser funktioniert Fleece. Wie auch Funktionsunterwäsche besteht Fleece (englisch für „Flausch“) oft aus Polyester und ist wasserdampfdurchlässig.
Der neueste Trend in Sachen Sportbekleidung ist die Softshell-Sportjacke. Diese Sportjacken haben das Fleece für kalte Tage bereits eingenäht, und ihre Oberfläche ist weich, sprich: soft. Softshells sind für 90 Prozent aller Outdoor-Aktivitäten geeignet, für einen Sportler, der eine Stunde joggt, für Wanderer, Radfahrer, Inlineskater.